Geschrieben von Cla Gleiser in Werbung
Mir ist ein Müsterchen eines offenbar extrem guten Sportlergels in die Finger gekommen. Weshalb ich das weiss, ohne das Produkt ausprobiert zu haben?
Ganz einfach:
Es enthält Glykosaminoglykane!

Wahnsinn!
Nein, ich weiss auch nicht, was Glykosaminoglykane sind, aber da dieser Bestandteil als einziger den Weg auf die Tube gefunden hat, muss es sich um etwas Hochspektakuläres handeln.
Entweder das – oder:
Die Hersteller und Vertreiber von Axa Nova haben sich gedacht: “Lasst uns die Leute blenden, indem wir einen absolut unverständlichen und auf den ersten Blick sogar unlesbaren Begriff auf die Tube schreiben. So erwecken wir den Eindruck, als sei unser Präparat der grösste medizinische Fortschritt seit der Entdeckung des Penizillins.”
Das Perfide an dieser Strategie: Viele Menschen scheinen zu denken, dass etwas, das sie nicht kennen, automatisch gut sein muss. Sie halten sich also für blöd. Nur so lässt sich in meinen Augen auch erklären, wie vor rund 10 Jahren aus “Frühstücksflocken” “Früchstückscerealien” wurden – ohne dass sich an den Produkten etwas geändert hätte.
Wollen wir für dumm verkauft werden? – Machmal habe ich fast den Eindruck.

Tags: Blähsprache, Werbung
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Missverständnisse gehören zur Kommunikation wie die übergekochte Milch in die Küche. Es kommt einfach vor. Manchmal haben solche Verdrehungen damit zu tun, dass einer besonders originell sein will und nicht sagt, was er meint, sondern das Gegenteil davon. So zum Beispiel:
Vielen Dank, dass du mir das Dossier “Kundenzufriedenheit” herübergeschoben hast. Da ich chronisch zu wenig Arbeit habe, macht mich diese zusätzliche Herausforderung richtig glücklich.
Wenn der Empfänger dieser Nachricht den Biss nicht spürt, freut er sich womöglich aufrichtig mit seinem Kollegen und legt bereits die nächsten Dossiers in die Pipeline, um dessen Euphorie noch zu steigern.
Aus dieser grossen Not heraus wurde das SarcMark entwickelt. Es ist ein unansehnlicher Kringel mit einem Punkt in der Mitte und soll dazu dienen, sarkastische Äusserungen in E-Mails unmissverständlich als sarkastisch zu kennzeichnen.
Echt?
Genau das habe ich mich auch gefragt. Und jetzt muss ich anfügen: ja, ganz echt.
Bestimmt ist das die blödeste Idee, die mir in diesem (immerhin noch jungen) Jahr über den Weg geraten ist. Wozu, bitte schön, soll denn so etwas gut sein?
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Tags: Ironie, SarcMark, Sarkasmus
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In einem E-Mail hat Ändu mir eine Frage gestellt, die ich hier gerne aufnehme:
Wenn ich sage: „Me muess luege, dass eim keini Fähler passiere“, dann ist das zwar korrektes Berndeutsch, doch will ich das schriftlich festhalten, kommt es mir sehr „undeutsch“ vor, wenn ich schreibe „man muss schauen, dass einem keine Fehler passieren“. Wie weit kann diese Redensart ins Schriftdeutsche übertragen werden? Gibt es sie da überhaupt, oder ist diese Satzzusammenstellung nur in der gesprochenen Sprache anwendbar? Was gibt es für Möglichkeiten, diese Formulierung zu vermeiden? In meinem Beispiel wäre es ja möglich zu schreiben „Man muss schauen, dass man keine Fehler macht“, oder „…keine Fehler zu machen“; aber manchmal ist es nicht ganz so einfach.
Ich lasse da zunächst einmal mein Sprachgefühl antworten: “Man muss schauen” wird sicher verstanden, ist aber ebenso sicher kein besonders gediegenes Deutsch. Eine elegantere Variante wäre: “Man sollte darauf achten, keine Fehler zu machen.”* Doch was heisst bei einem solchen Satz schon “elegant”? Da stimmt nämlich noch anderes nicht. Ändu schreibt weiter:
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Tags: Blähsprache, Distanz
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Geschrieben von Cla Gleiser in Rhetorik
Unsere ältere Tochter (4 Jahre) stand gestern das erste Mal auf den Skiern. Im Garten zwar, aber immerhin. Beim Mittagessen kamen wir auf die Skischule zu sprechen. Ich vermutete, dass Skischule etwa 2 Stunden Programm pro Tag bedeutet. Unsere Tochter darauf: “Wie lange ist zwei Stunden?”

Mein erster Impuls für eine Antwort war: “Das ist wie zwei Mittagspausen hintereinander.” Das schien mir dann aber doch zu abstrakt. Meine Frau war gewandter: “Das ist so lange, wie wir brauchen, um zu Nona und Eni (meine Eltern im Bündnerland) zu fahren. – Oder so lange, wie ich brauche, wenn ich mit euch einkaufen gehe.” Dann schaute sie mich an und meinte: “Eigentlich krass.”
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Tags: konkrete Sprache, Zahlen
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Geschrieben von Cla Gleiser in Wörter
Ich hatte kürzlich Geburtstag und habe bei dieser Gelegenheit auch einige Geschenke bekommen. Darunter war eine Blechschachtel mit der viel versprechenden Aufschrift “Wörter für Cla”. In der Schachtel lagen 40 kreativ gestaltete Karten mit jeweils einem Wort. Wunderschön.
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Tags: Free Writing, Geschenke, Kreativität, Schreibblockade, Schreiben, Wörter
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Alles Gute für 2010! Ich hoffe, das Jahr hat rundum gut angefangen.
Ich bin gerade noch zu einem kurzen Neujahrsaufenthalt in den schönen Bündner Bergen. Beim Lesen des Tages-Anzeigers vom 30. 12. 09 bin ich auf einen Beitrag in der Rubrik “Leser fragen” gestossen, der mich unterhalten und angeregt hat. Er findet daher auch hier seinen Platz.
In “Leser fragen” beantwortet der Psychoanalytiker Peter Schneider wöchentlich “Fragen zur Philosophie und Psychoanalyse des Alltagslebens”. Und ausgerechnet, wenn ich einmal den Tagi durchblättere, geht’s auch um Sprachliches:
Warum nennt man einen erfolgreichen, eingebürgerten Schweizer “Secondo” und einen sozial auffälligen, eingebürgerten Schweizer “Schweizer mit Migrationshintergrund”? F. K.
Liebe Frau K.
Weil es im richtigen Leben leider nicht so zu- und hergeht wie in Western, wo man die Guten und die Bösen ganz ohne jedweden Sprachzauber und schon von weitem einfach an der Farbe ihrer Hüte unterscheiden kann.
Tags: Fundsachen, Kommunikation
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Geschrieben von Cla Gleiser in Literatur
Der Engländer Charles Dickens (1812 – 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman “Oliver Twist” wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen Verfilmungen seiner berühmten Erzählung A Christmas Carol (deutsch Eine Weihnachtsgeschichte oder auch Weihnachtslied) ausgestrahlt wird.
A Christmas Carol erzählt die Geschichte des griesgrämigen und verbitterten Ebenezer Scrooge. (Diese Schöpfung von Dickens wurde so berühmt, dass ihr Name es in den englischen Wortschatz und ins Wörterbuch schaffte als allgemeine Bezeichnung für einen bitteren bösartigen Zeitgenossen.) Scrooge hasst Weihnachten und lässt das seine Umwelt gerne und deutlich spüren. Dann aber wird er in der Nacht von drei Geistern heimgesucht, die ihm lebensverändernde Einblicke gewähren: in eine vergangene, die gegenwärtige und eine zukünftige Weihnacht. Diese erschütternde Erfahrung läutert Scrooge quasi vom Saulus zum Paulus.
Als Dickens diese Geschichte 1843 schrieb, tat er dies mit der Feder und von Hand. Schreibmaschinen gab es noch nicht und Computer erst recht nicht. So entstand ein einziges Manuskript von A Christmas Carol, das heute in der Morgan Library in Manhattan aufbewahrt und jährlich um Weihnachten herum ausgestellt wird. Dann ist jeweils eine Seite zu sehen. Nun aber hat die New York Times das ganze Manuskript elektronisch zugänglich gemacht und gewährt damit einen faszinierenden Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser – Geschichte.
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Tags: Literatur, Manuskript
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Der Bindestrich trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht. Er ist ein Trennstrich. Diesen Unterschied vor Augen zu haben, hat mir geholfen, seine Verwendung zu verstehen und ihn richtig und zum Nutzen der Menschheit einzusetzen.
Dieser Strich verbindet also nicht, er trennt viel eher.
Was trennt er?
Er trennt zwei Wortbausteine.
Wozu trennt er sie?
Um das Wort, das aus diesen Bausteinen zusammengesetzt ist, verständlicher zu machen.
Es ist also wieder einmal eigentlich ganz einfach: Dieser Strich verbindet nicht zwei separate Wörter, er trennt zwei verbundene Wörter. Oder anders gesagt: Die Alternative zu diesem Strich ist nicht die Getrenntschreibung, sondern die Zusammenschreibung.
Die Idee zu diesem Beitrag kam mir übrigens, als ich vor dieser Kaffeemaschine auf meine Schale* wartete:

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Über wordle habe ich ein einem meiner ersten Beiträge berichtet. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und dieser Blog hat an Inhalt zugenommen. Grund genug für einen weiteren Besuch auf wordle.net – und diesmal in eigener Sache.
Ich habe mir einen Wortklumpen erstellen lassen, indem ich die Wordle-Maschine auf die URL von verständlich.ch hingewiesen habe. Zur Repetition: Wordle analysiert, wie oft Wörter in einem Text oder auf einer Webseite vorkommen und stellt sie dann in entsprechender Grösse dar.
Das Resultat:
Ich war – gelinde gesagt – erstaunt.
Schweizer?
Schweizer?!
Das soll die 1-Wort-Essenz von demnächst eineinhalb Jahren Sprachblog sein? (Gut, Rede scheint einigermassen gleichauf – aber Schweizer?)
Ich werde in mich gehen.
Tags: wordle, Wörter
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Ex-Miss Whitney Toyloy hat nach der Annahme des Minarett-Verbotes die SVP als “Union der Vollidioten” bezeichnet. Diese politisch nicht ganz korrekte Äusserung hat für einigen Wirbel gesorgt. Manche und mancher fühlte sich als Anhänger dieser Union (SVP, nicht Vollidioten) direkt betroffen. Nun hat Whitney Toyloy sich entschuldigt.
Wirklich.
Gemäss 20 Minuten (7. Dezember 09) soll sie gesagt haben:
Ich bin mir heute bewusst, dass ich die Gefühle von unbescholtenen Bürgern verletzt habe, und entschuldige mich hierfür.
Das nenne ich eine Entschuldigung! Um den Inhalt geht es mir übrigens überhaupt nicht, auch nicht darum, wer sich bei wem für was zu entschuldigen hatte (oder nicht). Ich gebe hier keine politische Stellungnahme ab – ausser der, dass öffentliche Entschuldigungen in der fast ausnahmslosen Regel überhaupt keine sind. Da heisst es meistens:
Wenn ich mit meiner Äusserung jemanden verletzt habe, dann tut mir das leid.
Das ist keine Entschuldigung. Das ist eine blutleere Nullaussage mit der Absicht, durch Augenwischerei einen Fehler gutzumachen, ohne ihn zuzugeben. In einem solchen Pseudo-Eingeständnis steckt ja auch die (nur spärlich) verhüllte Unterstellung: “Eigentlich seid ihr selbst Schuld, dass ihr mich falsch verstanden habt.”
In einer Entschuldigung hat ein Bedingungssatz nichts verloren. Entweder habe ich einen Fehler eingesehen oder nicht. Wenn ich ihn eingesehen habe, dann muss ich ihn auch benennen (wie Frau Toyloy) und dann um Entschuldigung bitten (wie Frau Toyloy).
Und dann noch dies: Ist es nicht schön, dass wir uns überhaupt entschuldigen können? Wie ein Radiergummi für die Seele kommt mir das vor.
Tags: Entschuldigung, Kommunikation
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